High Life im Behindertenheim

Schon die Themen dieser ungewöhnlichen Sozialkomödie verschlagen einem schier den Atem: Da gibt es ein Heim für schwer körperlich Behinderte, in dem individuelle Bewohner mit viel Lust auf Sex leben. Es gibt verständnisvolles Pflegepersonal, das sich auf der Nationalstraße 7, auf der die Prostituierten in ihren Wohnwagen arbeiten, nach passablen Kontakten umsieht. Die Prostituierten ihrerseits schließen nicht nur berufliche, sondern auch freundschaftliche Bande mit den Behinderten. Mittendrin wird dann noch die schwule Liebesgeschichte zwischen den Zimmergenossen Rabah und Fabrice erzählt, die eine schwere Krise durchleiden, als Fabrice beginnt, sich für Sex mit den weiblichen Prostituierten zu interessieren. Und schließlich gibt es noch einen Aufstand im Heim, als man Rabah die Konvertierung vom Islam zum Katholizismus verweigern will. Eigentlich ein Stoff für mindestens vier Filme.

Film-Szene aus Uneasy Rider "Uneasy Rider" entstand in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender arte im Rahmen eines Projekts zur Erstellung digitaler Filme. Auf einer wahren Geschichte beruhend, konnte Sinapis Film auf der Berlinale 2000 viele Herzen erobern. Das brachte ihm den begehrten "Panorama-Publikumspreis" ein. Die unverkrampfte Darstellung der Behinderten als ganz normale Menschen mit Sorgen, Nöten, Lüsten, guten und schlechten Seiten kann ihresgleichen wirklich suchen. Selten ist ein Tabuthema wie Sexualität von Behinderten so glaubhaft und dabei witzig aufgegriffen worden. Und ganz selbstverständlich gibt es in diesem Behindertenheim auch ein schwules Paar – nicht minder geplagt von alltäglichen menschlichen Sorgen. Wirklich beeindruckende schauspielerische Leistungen und die Lockerheit weitab vom Zwang, politisch korrekt sein zu müssen, machen "Uneasy Rider" zu einem sehr fortschrittlichen kleinen Kunstwerk und einem heiteren Kinovergnügen mit Tiefgang.

Manuela Kay

"Uneasy Rider" ("Nationale 7")
Regie: Jean-Pierre Sinapi
mit: Nadia Kaci, Olivier Gourmet,
Nadine Marcovici, Saïd Taghmaoui u.a.
Frankreich, 90 Min.
Kinostart 29.3.