Zum Coming Out des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit

Klaus Wowereit Eine Finanzkrise, die in die Geschichte eingeht. Das Finanzdebakel der Berliner BLA Bank und undurchsichtige Verstrickungen führten zu einem bislang einmaligen Ergebnis. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wird ein Bundesland von einem offen schwulen Politiker regiert. Zwar hat Klaus Wowereit dieses Amt zunächst nur kommissarisch bis zu den bevorstehenden Neuwahlen inne, aber die Chance, daß der SPD-Politiker auch nach der Wahl noch Berlin regiert, ist durchaus realistisch.

Bemerkenswert an der Sache ist auch die Reaktion der Öffentlichkeit. In einer Online-Umfrage der Bild-Zeitung gaben 62% an, daß Sie Wowereit wegen seines gezeigten Mut eher wählen würden. Ähnlich positiv fällt auch die Umfrage des Mailservers gmx aus. Auf die gestellte Frage, wie das Coming Out von Promis gesehen wird, antworten 46% mit gut, 31% fanden es unnötig und meinten, dies gehöre zum Privatleben, das keinen etwas angehe. Nur 23% (weniger als ein Viertel!!!) äußerten sich negativ.

Das Coming Out des Berliner Spitzenpolitikers wurde auch von zahlreichen schwullesbischen Verbänden begrüßt. Der LSVD forderte noch mehr Politiker auf, sich öffentlich zu Ihrer Homosexualität zu bekennen. Gleichzeitig appellierte der Verband aber auch an die Medien, Personen, die sich nicht bekennen, auch nicht zu outen. Die Entscheidung über ein Coming Out gehöre immer noch zur Privatsphäre – auch bei Politikern.

Erstaunlich ist auch die Reaktion der Union. Das Gezeter um die eingetragene Lebenspartnerschaft hätte eigentlich einen Protestschrei erwarten lassen, aber nichts dergleichen. Sehen CDU und CSU in einem "Quasi-Ministerpräsidenten" ihre ideologischen Klischees der "kleinen dummen Friseur-Schwuchtel" über Bord gehen, oder haben die Unionsparteien erkannt, daß ihnen ein Aufschrei der Entrüstung in der öffentlichen Meinung wenig Pluspunkte verschaffen würde? Letztendlich wird sich dies erst im Wahlkampf zeigen; Prognosen sagen aber voraus, das nur ca. 20% der Bevölkerung für eine Anti-Homo-Kampagne empfänglich wären. Sollte letztendlich doch die Vernunft siegen? Wir sind gespannt – auf den Wahlkampf, auf die Wahl und wer aus welcher Partei im journalistischen Sommerloch noch zugibt "Ja, ich bin schwul und das ist auch gut so..."

FeB