SIEGESSÄULE und GEGENPOL präsentieren:

Der CSD stellt Forderungen

Brisant ist es in jedem Fall: Während der LSVD an seiner Ja-Wort-Kampagne bastelt und in Hamburg erste Homo-Ehen geschlossen werden, bildet sich in Berlin eine Allianz, die den grundgesetzlich gewährleisteten Schutz der Ehe kippen will. Nicht nach der heiligen Institution richtet sich demnach das Streben der Schwulen und Lesben, sondern nach der "Anerkennung und Gleichstellung aller Lebensweisen". So heißt es in Punkt sieben des Forderungskataloges, den das CSD-Forum für den diesjährigen Christopher Street Day erarbeitet hat. Das Forum, das sich aus über 40 Berliner Gruppen und Projekten zusammensetzt, wurde vor knapp anderthalb Jahren ins Leben gerufen, um die unterschiedlichen Lager innerhalb der Berliner community an einen Tisch zu bringen. In den Vorjahren hatte es oft genug Zerwürfnisse – und damit auch mehrere Demonstrationszüge – gegeben; daß immer dieselben Organisatoren SVD, Mann-O-Meter, Sonntagsclub e.V.) den CSD ausrichteten, ohne dafür ein Mandat zu haben, war nur ein Stein des Anstoßes.

Erstaunlicherweise hat es dann vor einem Jahr, als das 20. Jubiläum des Berliner CSD ins Haus stand, geklappt mit der Eintracht. Noch mehr: Das Konzept des CSD-Forums hat sich bewährt, auch in diesem Jahr wurden Route und Forderungen teils durch Mehrheitsbeschlüsse, teils durch Konsensentscheidungen abgesegnet. Der Umzug findet am 26. Juni statt, trägt das Motto "30 Jahre Stonewall" und beginnt um 11 Uhr in Charlottenburg, an der Kreuzung von Knesebeckstraße und Kurfürstendamm.

Für Frühaufsteher gibt es zuvor eine Autftaktkundgebung, zu der reichlich Politprominenz eingeladen ist. Ob Bundeskanzler Schröder und Außenminister Fischer tatsächlich erscheinen, wird sich allerdings noch zeigen. Michalea Lindner, bis vor wenigen Monaten noch Bürgermeister eines Dorfes in Sachsen-Anhalt und wegen ihrer Transsexualität abgewählt, hat ihr Kommen jedenfalls zugesichert.

Mit CSD-Küssen in die Partynacht

Vom Kurfürstendamm führt der Umzug über den Wittenbergplatz hinein in den Tiergarten, der nicht nur im Film interner Link "Lola & Bilidikid" eine beliebte Cruisingzone darstellt. Weiter geht der Weg durchs Brandenburger Tor und "Unter den Linden" bis zum Bebelplatz, wo Abschlußkundgebung und Straßenparty stattfinden werden.

Eine offizielle CSD-Party, wie im letzten Jahr in der Kulturbrauerei, steht allerdings nicht auf dem Programm. Die Veranstalter meinen wohl, daß der gut sechsstündige Umzug anstrengend genug wäre, so daß sich die Massen anschließend nicht mehr zum Tanzen bewegen lassen?

Weit gefehlt, überall in der Stadt gibt es größere und kleinere Feste. Dabei werden die "CSD Kisses" – präsentiert von GMF und den HouseBoys – mit mehr als 3000 erwarteten Gästen wohl die größte Abendveranstaltung des diesjährigen CSD sein. Dazu verbinden die Organisatoren die beiden Clubs WMF und Kalkscheune in der Johannisstraße durch eine Straßensperre miteinander. Insgesamt acht szenebekannte DJ's bespielen die Tanzflächen mit House, Rhythm & Soul, Disco, Trance and Latin Music. An den Reglern stehen unter anderem Paul van Dyk, Faufi, SuperZandy oder Krazy Daisy.

"Rosa und Hellblau"

Wer angesichts von soviel Aktionismus Lust auf Kunst abseits der bekannten Homopfade verspürt, ist in zwei Kreuzberger Ausstellungsorten an der richtigen Adresse: In der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst und im Künstlerhaus Bethanien wird noch bis zum 13. Juni die Ausstellung "Rosa für Jungs, Hellblau für Mädchen" präsentiert. 48 Künstler und Künstlerinnen widmen sich dem Thema Kindheit und damit vor allem der Art, wie Geschlechterrollen konstruiert und festgelegt werden.

Feiern im Bermudadreieck

Party satt gibt es auch am Wochenende vor dem CSD. Beim 7. Lesbisch-Schwulen Straßenfest rund um die Motzstraße feiert die Berliner Szene zwei Tage lang auf diversen Bühnen. Dabei wird der Rainbow Award an Heinz Uth verliehen, der 1991 erster Schwulenbeauftragter der Berliner Polizei wurde und im Zuge seiner Arbeit unter anderem das Straßenfest mitinitiierte. Der Organisation "Gays and Lesbians in Zimbabwe", die sich trotz vieler Repressalien für die Rechte von Schwulen und Lesben in dem afrikanischen Land stark macht, wird eine Spende überreicht.

Natürlich gibt es jede Menge Auftritte von lokaler und über Berlin hinaus bekannter Prominenz: zum Beispiel von Tim Fischer, Tanja Ries, den Babes on Orgel mit ihrem Silversound oder den Teufelsbergern. Der vielfach gepriesene Salon Oriental wird mit Bauchtanznummern aufwarten und Gesundheitsministerin Andrea Fischer hat sich zum sogenannten Promi-Talk angekündigt. Im Metropol, einem Club direkt am Nollendorfplatz, steigt am Samstagabend ab 21 Uhr die offizielle Party zum Fest. "Queers United!" lautet das Motto, an den Plattentellern wird unter anderem DJ Marusha stehen.

Cristina Nord, my

CSD in Berlin: 26. Juni
10.15 Uhr Auftaktkundgebung Kurfürstendamm/Knesebeckstraße, Charlottenburg
11 Uhr Beginn des Umzugs

7. Schwul-Lesbisches Straßenfest:
19.6. ab 14 Uhr u. 20.6. ab 15 Uhr
in den Straßenzügen rund um die Motzstraße, Schöneberg

Die Berlin-Highlights im Juni