Skunk Anansie - Interview

Man konnte den Siegeszug fast absehen: Gegründet im Februar 1994, bekamen Skunk Anansie bereits im Juli des gleichen Jahres einen gut dotierten Plattenvertrag angeboten. Ihr erstes Album "Paranoid & Sunburnt" mit den Chartbreakern "Weak" und "Charity" sorgte für den Durchbruch. Von da an waren Skin, Ace, Cass und Mark nur noch "on the road". Die Songs ihres zweiten Albums "Stoosh" schrieben sie in nur 9 Tagen und nahmen das Album in nur 5 Wochen auf. Es wurde noch erfolgreicher als das Debüt und mit "All I want", "Twisted", "Hedonism" und "Brazen" schafften es vier Singles bis auf die vorderen Ränge der Charts. Die gekonnte Mischung aus harten Klängen und zarten Balladen fand immer mehr Anhänger. Anfang 1998 gönnten sie sich zum ersten Mal in drei Jahren eine Pause, um gestärkt wieder an neuem Material zu arbeiten. Peter Goebel sprach für Gegenpol mit der charismatischen Frontfrau Skin über Politik, Sexualität und das neue Album.

Skunk Anansie Wie war das Gefühl, nach jahrelangem ständigem Reisen wieder nach Hause zu kommen?

Oh, es tat so gut. Wir hatten eine Menge erreicht, aber wir waren an einem Punkt angekommen, wo wir völlig erschöpft waren. es hat ein paar Wochen gedauert, um erst mal wieder "runter" zu kommen. Ich habe mir in London ein neues Haus gekauft und viel Zeit mit meiner Familie und Freunden verbracht, bin ausgegangen und habe Konzerte besucht.

Hat der Titel Eures neuen Albums "Post Orgasmic Chill" mit dieser Phase in Eurem Leben zu tun?

Ja! Wir hatten diese wirklich verrückte Zeit und nach der Phase der Erholung haben wir an neuem Material gearbeitet. Deshalb heißt das Album "Post Orgasmic Chill". Der Titel stand schon sehr früh fest. Wir haben die Songs einstudiert, dann live aufgenommen und vor der endgültigen Aufnahme in Woodstock mit den Proben aufgehört, um die Spontaneität auch noch auf den Album zu spüren.

Wie kommt es, daß die Texte nicht mehr so politisch und direkt wie auf den vorigen Alben sind?

Ich denke, es lag einfach daran, daß wir über Politik auf eine andere Art und Weise reden wollten. Wenn man seine Ansichten immer auf die gleiche Art rüberbringt, hört einem irgendwann keiner mehr zu. es ist nicht so, daß die Welt sich plötzlich radikal verändert hätte und kein Rassismus mehr vorhanden ist. Wir wollten nur einen anderen Weg finden, darüber zu sprechen.

Aber auch die neuen Songs sind sehr politisch, z.B. "We don't need who you think you are" über unsere Erfahrungen in Südafrika. Bei Titeln wie "You follow me down" oder "Get off me" muß man halt etwas tiefer in die Texte einsteigen, um zu verstehen was damit gemeint ist.

In Deinen Texten geht es auch um Erwartungshaltungen der Gesellschaft an die Frau und auch um Sexualität. Gerade die Presse scheint Deine Sexualität immer wieder aufzugreifen und bezeichnet Dich entweder als Bisexuelle oder als Lesbe.

Normalerweise werde ich dann als Lesbe bezeichnet, wenn es beleidigend gemeint ist. Dabei übersehen diese Journalisten aber, daß es für mich überhaupt keine Beleidigung darstellt, im Gegenteil, ich sehe es als Kompliment. Ich bin bisexuell, habe aber nichts dagegen, wenn man mich als Lesbe bezeichnet, solange man mich nicht als heterosexuell hinstellt, denn das bin ich wirklich nicht. Eigentlich rede ich gegenüber der Presse überhaupt nicht über meine Sexualität, abgesehen von einigen Journalisten der Gay-Presse. Es ist schon oft passiert, daß die Hetero-Presse, die mich kaum über meine Sexualität fragt, darüber schreibt, als ob wir darüber geredet hätten. Sie schreiben nur ihre Meinung über mich nieder.

Ich denke einfach, es ist ein Teil von mir und ich bin nur ein Teil der Band, die aus vier Musikern besteht. Meine Sexualität, ebenso die Tatsache, daß ich schwarz und eine Frau bin, sind alles Teile von mir, die für mich wichtig sind, aber es ist doch nicht das wichtigste bei Skunk Anansie. Ich rede nur dann davon, wenn ich damit etwas erreichen möchte, z.B. um politische Fragen von Gays und Bisexuellen zu unterstützen. Ich möchte als Bisexuelle, die dazu eine Meinung hat, anerkannt werden. Doch geht es keinen etwas an, mit wem ich zusammen bin, denn ich verdiene doch ein gewisses Maß an Privatsphäre.

Vielen Dank!

Post Orgasmic Chill