In den Monaten Juni und Juli werden wieder überall auf der Welt Schwule und Lesben den Christopher Street Day begehen, um damit für Gleichberechtigung, mehr Toleranz und die Anerkennung ihrer Lebensweise zu Stonewall-Demo demonstrieren. Allerdings scheint der CSD für viele, besonders für junge Homosexuelle heute nicht viel mehr als ein wichtiges Partydatum zu sein. Die großen Paraden zum Beispiel in Berlin oder Köln wurden immer mehr entpolitisiert und gleichen manchmal eher Karnevalsumzügen. Dabei sind historischer Ursprung und Inhalt dieses Feiertags vielen Lesben und Schwulen nicht oder nur vage bekannt - erst recht nicht dem heterosexuellen Passanten und Schaulustigen.

Vor 30 Jahren - im Juni 1969 - führte die New Yorker Polizei wieder einmal eine Razzia in der Bar "Stonewall Inn", die sich in der Christopher Street befand und von Schwulen, Lesben, Transvestiten, Tunten und vielen anderen besucht wurde, durch. Nichts neues eigentlich, denn derartige Razzien waren damals an der Tagesordnung. Doch im Juni 1969 setzten sich die Gäste des "Stonewall Inn" zum ersten Mal gegen diese unbegründeten Kontrollen und andere Repressalien zur Wehr. Als die Polizei mit Gewalt versuchte, die Kontrollen fortzusetzen, und damit begann, Gäste abtransportieren zu lassen, eskalierte das Geschehen und es kam zu regelrechten Straßenschlachten gegen die Polizei, die einen derartig offenen Widerstand von Homosexuellen bis dato nicht erlebt hatte. In allen anderen Stadtteilen New Yorks gab es Solidaritätsbekundungen von Schwulen und Lesben. Die Ereignisse im Juni 1969 waren der Beginn homosexueller Emanzipation.

Bereits ein Jahr später fanden sich Hunderte von Homosexuellen wieder in der Christopher Street ein, um diesen ersten kleinen Sieg zu feiern. Seitdem feiern die Lesben und Schwulen in den USA jährlich mit großen Gay Pride Festivals den Beginn der offenen Schwulen- und Lesbenbewegung. In Deutschland fand 1979 zum zehnjährigen Jubiläum der Ereignisse rund um das Stonewall Inn zum ersten Mal der Christopher Street Day mit einer kleinen feierlichen Demonstration in Berlin statt. In den folgenden Jahren nahm die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer weiter zu und heute gibt es in fast jeder größeren Stadt - aber auch in der Provinz - eigene CSD-Paraden und Veranstaltung. Seit 1994 wird auch in Dresden (stellvertretend für ganz Sachsen) der Christopher Street Day mit einem Umzug durch die Straßen der Stadt und anderen Events gefeiert. Dabei war die Zahl der Gäste und die öffentliche Aufmerksamkeit in jedem Jahr zunehmend. Auch für 1999 hoffen die Veranstalter, möglichst viele Leute zu mobilisieren. Gerade die Äußerungen eines Herrn Eckoldt oder die Bomben auf einen Schwulenclub im Londoner Stadtteil Soho zeigen, daß Lesben und Schwule noch einen weiten Weg bis zu einer Gleichberechtigung vor sich haben. Also Flagge zeigen und teilnehmen.

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CSD - 30 Jahre nach Stonewall