Sind HIV und AIDS noch ein Thema?

Mit viel Interesse sind unsere Seiten über das Cruising 1x1 in der vorigen Gegenpol-Ausgabe aufgenommen worden und manch einer hat vielleicht sogar Lust bekommen, es selbst einmal zu probieren. Aber einige Leser und besonders die AIDS-Hilfe Dresden e.V. machten uns danach darauf aufmerksam, daß wir dabei wohl einen wesentlichen Aspekt unterschlagen oder - um ehrlich zu sein - einfach vergessen haben. In diesem Report wurde nämlich nicht über AIDS und Safer-Sex-Spielregeln beim Cruising gesprochen. Wir bedauern dies, denn wir wollen HIV und AIDS keinesfalls verharmlosen. Denn gerade beim Cruising mit oft wechselnden Partnern, die man zudem meist nicht mal kennt, ist das Risiko besonders hoch. Deshalb sollte jeder wissen, wie man sich vor einer möglichen HIV-Infektion schützen kann.

Mancher ist vielleicht der Meinung, daß hier im Osten sowieso nichts passieren kann, weil es so wenige HIV-Betroffene gibt. Es ist richtig, daß im Osten die Infektionsrate deutlich niedriger ist als im Westen: nur etwa zwei Prozent aller Infizierten kommen aus den neuen Bundesländern (Quelle: Quartalsbericht IV/98 des Robert-Koch-Instituts). Aber trotzdem oder gerade deswegen sollte man nicht auf einen Schutz verzichten, denn noch immer passiert die überwiegende Zahl der Neuinfektionen bei schwulen Männern. Und das trifft auch auf Neu-Fünf-Land zu!

Außerdem, wer weiß den schon von seinem Gegenüber, seinem Kurzzeit-Lover, wo er herkommt und wie viele anonyme ungeschützte Sexkontakte er vorher schon hatte. HIV ist eben nicht sichtbar.

Die Präsenz von AIDS in den Medien und im Bewußtsein hat in den letzten Jahre deutlich abgenommen; vielleicht haben HIV und AIDS auch ihren Schrecken verloren, angesichts der neuen Medikamente und Therapiemöglichkeiten, die es heute gibt. Es stimmt, heute stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die die Virusvermehrung besser hemmen als das noch vor fünf Jahren möglich war. Aber dieser Erfolg hat seinen Preis: lebenslange und täglich Einnahme von bis zu 20 Pillen mit allen möglichen Nebenwirkungen, Resistenzbildungen und notwendige häufige Arztbesuche. Und man bedenke, auch all die neuen Medikamente bringen keine Heilung. Deshalb ist nach wie vor der Schutz vor einer Infektion die bessere Alternative. Kondome und Cruising Packs gibt es überall zu kaufen oder gegen eine kleine Spende bei den sächsischen AIDS-Hilfen.

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Die Gummis vergessen?!