„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick, [...]“. Wie Goethe in seinem Osterspaziergang die Wiedererweckung der Welt nach der Kälte des Winters beschrieb, so ist es dieser Tage in unserem schönen Mitteldeutschland. Die Frühblüher erobern die Vorgärten und Wiesen der Umgebung, die Sonne kitzelt unsere Nasen und die steigenden Temperaturen erwecken unsere Lebensgeister. Während einige von uns schon auf ihre perfekte Sommerfigur hinarbeiten und andere sich danach sehnen, endlich wieder am See liegen zu können, dreht sich bei den meisten von uns in dieser Zeit alles um Meister Lampe und seine großen, bunten Eier.

Da werden Körbchen gebastelt, Eier bemalt, unerlaubt Äste von Bäumen geschnitten, die dann bunt dekoriert in der Wohnung stehen und es werden Pläne für die Feiertage geschmiedet. Bei all der Aufregung um ein desorientiertes, arbeitswütiges Karnickel frage ich mich zwangsläufig: Was war gleich noch mal so wichtig, dass wir Karfreitag bis Ostermontag frei haben? Im Grunde feiern wir, als christlich geprägter Staat, am Ostersonntag ein durch die Bibel überliefertes Wunder. Vor knapp 2000 Jahren soll nämlich der Leichnam eines 33-jährigen Mannes aus einer Grabhöhle bei Jerusalem verschwunden sein. Zur Verblüffung der damaligen Zeitgenossen, sah man diesen Mann kurze Zeit später wieder unter den Lebenden weilen. Nun kann man diese Geschichte als nicht beweisbares Ammenmärchen abtun, oder darin die Auferstehung vom Sohn Gottes sehen. Unabhängig von unserer religiösen Gesinnung verschafft diese Begebenheit jedem von uns ein paar freie Tage, die wir ganz nach unserem Gutdünken verbringen können. Ebenfalls am Ostersonntag endet die 40-tägige Fastenzeit, die wir alle selbstredend seit Aschermittwoch strikt eingehalten haben. In den letzten knappen 7 Wochen haben wir mehr oder weniger erfolgreich versucht auf einige schöne Dinge im Leben zu verzichten. Seien es nun die leckere Milchschokolade, die Gummibärchen, der Alkohol oder aber andere Waren unserer Überflussgesellschaft, die wir täglich zu uns nehmen. In einer Zeit, in der wir die Möglichkeit haben, jegliche Art von Verbrauchsgütern ganzjährig zu erwerben – ob nun Erdbeeren im Januar, oder Schokoladenweihnachtsmänner im August – macht eine kurze Phase der Abstinenz doch wieder Lust auf das Alltägliche. Meine persönlichen Helden in der Osterzeit sind die Menschen, welche die schwere Bürde auf sich nehmen Osterwasser schöpfen zu gehen. Sicherlich ist es verlockend, durch dieses, vor Sonnenaufgang am Ostersonntag, aus einer Quelle geschöpfte Wasser ewige Schönheit, Jugend, Intelligenz und ganzjährige Gesundheit zu erhalten. Aber mal ehrlich, den Wasserkrug SCHWEIGEND bis zur Quelle und wieder zurück in die Wohnung zu schleppen – das stellt eine schier unlösbare Aufgabe dar. Letztendlich hat jeder von uns seine eigene Art, Ostern zu verbringen. Ob nun am Ostersonntag in der Kirche, beim schweigenden Wasserschöpfen oder beim Suchen von Osternestern. Schon Goethe hat in seinem Osterspaziergang jeden so glücklich werden lassen, wie er es für richtig hielt, indem er schrieb: „ […] Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein!“. Darum greife ich nun, ganz ohne zu schweigen, mein sprudelndes Glas Prosecco, proste euch zu und wünsche euch ein schönes Osterfest.

Euer Robert

Roberts Kolumne: Vom Sinn des Osterfestes