Interview

Die Vorbereitungen zum diesjährigen CSD sind im vollen Gange. Trotzdem fand der Pressesprecher des Vorbereitungsteam Jens Kaden einige Minuten Zeit zu einem kurzen Gespräch mit der Gegenpol-Redaktion.

Gegenpol: So kurz vor Schluß kam noch ein herber Rückschlag für das CSD-Team. Das Straßenfest darf nun doch nicht - wie ursprünglich geplant - auf dem Schloßplatz stattfinden, sondern muß auf den Altmarkt ausweichen. Wieso?

Jens: Wir hatten im Dezember von der Stadt ein Schreiben bekommen, daß der Schloßplatz für den CSD "reserviert" sei. Darauf haben vertraut und dann auch sämtliche Öffentlichkeitsarbeit und Planung ausgerichtet. Jetzt am Montag (am 14. Mai; Anm. d. Red.) erfuhren wir erstmals von den Festwochen zur 250-jährigen Weihe der katholischen Hofkirche und dem Eröffnungsgottesdienst am 9. Juni. Eine Einigung mit dem zuständigen Bistum Dresden-Meißen - zwecks eines friedlichen Nebeneinanders - ist auszuschließen. Ich suchte zwar das Gespräch, mußte aber nach einem sehr unschönen Gespräch aufgeben. Daß die Katholischen allergisch auf Regenbogenfahnen reagieren, zeigt doch wieder ganz deutlich, wie wichtig der CSD ist. Der Stadt ist der Vorwurf zu machen, nicht schon viel früher auf das Problem eingegangen zu sein und die Andersliebenden in Dresden wieder einmal zu diskriminieren.

Gegenpol: Für den CSD 2001 wurde ein - sagen wir mal - sehr ungewöhnliches Motto gewählt. Wie kam das Vorbereitungsteam auf "Wer lacht, hat noch Reserven" ?

Jens: Für das diesjährige Motto haben wir einen Ausspruch aus der DDR ausgewählt. Und wir fanden es im Gegensatz zu den anderen Vorschlägen einfach witzig und originell.

Gegenpol: Wie kann man gerade mit diesem Motto erreichen, auf die politische Aussage des CSD, wenn es diese noch gibt, aufmerksam zu machen?

CSD-Sprecher Jens Kaden Jens: Also, der CSD in Dresden hat von uns in diesem Jahr einen stark politischen Anspruch erhalten. Wir wollten keine reine Partyveranstaltung organisieren, sondern auch darüber hinaus Angebote machen. An den vielfältigen Programmpunkten kann man dies auch ersehen. Daß das Motto keine politische Botschaft enthält, finde ich nicht verkehrt, denn schließlich ist Lebensfreude auch ein Motto und ein Teil unseres Lebens. Der politische Anspruch des CSD macht sich ja auch nicht an einem plakativen Motto fest, sondern an seinen Inhalten.

Gegenpol: Welche politische Aussage hat der CSD in diesem speziell in Sachsen?

Jens: Da sind natürlich noch auf viele Dinge hinzuweisen: nehmen wir nur zum Beispiel das Lebenspartnerschaftsgesetz. Egal, ob man nun für eine solche Regelung ist oder dagegen, aber die Art und Weise, wie man in Sachsen (Bayern und Thüringen) gegen das Gesetz vorgehen will, ist einfach nicht akzeptabel. Anstatt man sich im Vermittlungsauschuß vernünftig einigt, zieht es die CDU in Sachsen lieber vor, zu klagen. Allgemein soll die Gesellschaft auf die Lebenssituation von Lesben, Schwulen, Trans- und Bisexuellen aufmerksam gemacht werden. Und wir wollen deutlich machen, daß die homosexuellen Lebensweisen gleichberichtigt neben heterosexuellen Lebensweisen (ob nun mit oder ohne Trauschein) stehen.

Darüberhinaus fordern wir natürlich die finanzielle Absicherung bestehender und benötigter Lesben-, Schwulen-, und Trans-Projekte und die Wiedereinführung der Lesben- und Schwulenbeauftragten in Dresden.

Gegenpol: Das CSD-Programm startet in diesem Jahr bereits am Mittwoch, die Besucher erwartet also ein übervolles Programm?

Jens: An dieser Stelle muß ich leider erst einmal bekanntgeben, daß die Veranstaltung am Mittwoch ausfallen muß. Das Programm ist zwar in diesem Jahr umfangreicher als sonst, ich glaube schon, daß wir einen guten Mix gefunden haben, der für jeden etwas bietet. Speziell am Sonnabend stehen sechs Programmpunkte auf dem Plan. So haben auch auswärtige Besucher die Möglichkeit, je nach Lust und Laune Zeit zwischen Straßenfest und Party durch eine Infoveranstaltung im Landtag, eine Aufführung von Bernd Pakosch im Riesa oder einen Film im Kino Casablanca zu verkürzen.

Gegenpol: Ein gutes Programm kostet natürlich Geld, und auch das war in diesem Jahr wieder knapp bemessen. Wie konnte dieses Problem in diesem Jahr gelöst werden.

Jens: Hier möchte ich vor allem die Dresdner Vereine erwähnen, die nicht nur durch ihre Vertreter im Vorbereitungsteam, sondern auch durch finanzielle Beteiligungen zum Gelingen des CSD beitragen. Insbesondere sind dies Gerede, das Sowieso, der Völklinger Kreis und der LCD. Wir konnten auch das Bildungswerk "Weiterdenken" der Heinrich Böll Stiftung und eurogay gewinnen, sich zu beteiligen. Natürlich sind noch nicht alle Ausgaben gedeckt und wir sind noch fleißig auf der Suche nach Sponsoren.

Gegenpol: Vielen Dank für das Gespräch. Gegenpol wünscht dem Vorbereitungsteam ein befreites Lachen.

Das Gespräch führte Myrko

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CSD 2001