Ein Tag wie jeder andere und doch ist nach diesem Tag nicht mehr alles so wie es vorher war. Das Coming Out des Sohnes verändert die Wertigkeit im Leben der Eltern, ohne Tragödie zu sein - nur eben mit anderen Aspekten.

Vaters Kommentar: "Wer hat ihm DAS eingeredet? Wer war der Verführer? Wenn die Richtige kommt, wird sich DAS geben. Und außerdem, von mir hat er DAS nicht!"

Szenenfoto aus Welch treffliche Erkenntnis, für die Mutter kommt diese leider zu spät. Sie hätte mit diesem Wissen um seine Intoleranz, Engstirnigkeit, Spießbürgerlichkeit und Kleinkrämerei vor langer Zeit sicher einem einfühlsamen und weltmännischen Erzeuger den Vorrang gegeben.

Bemerkenswert ist auch die dogmatische Aussage des Klerus. "Gott hat zwei Geschlechter geschaffen, daß sie einander ergänzen und Nachwuchs zeugen."

Auch gut! Eliminieren wir alle heterosexuellen Paare, die so schlecht zueinander passen, daß sie sich gegenseitig das Leben vergiften, und nicht zu vergessen, die Paare, die ohne Kinder zu zeugen, fröhlich in den Tag leben.

Viel Schwachsinn wird um das Miteinander der Spezies Homo sapiens produziert, ändern wird das die Weltgeschichte nicht, jeder einzelne Mensch muß etwas zur Toleranz und Akzeptanz beitragen.

Für die Mutter des schwulen Sohnes kann es durchaus etwas Schönes sein, in seinem Lover einen neutralen Verehrer zu haben, eine Schwiegertochter wäre eher Konkurrentin und deshalb argwöhnisch zu betrachten.

Szenenfoto aus Der Elterntraum von der "Jungen Familie" funktioniert schon durch ihre eigenen Chromosomenkonstellation nicht. In den 60er bis 70er Jahren wurden mehr Jungen als Mädchen geboren. Nicht jeder Sohn könnte eine Familie gründen, aber jeder Homoboy kann sein Sahneschnittchen finden. Welch Garten Eden durch diese Laune der Natur!

Laßt sie ziehen, laßt sie ihr Leben in allen Facetten leben und genießen, öffnet die Arme und fangt sie auf, wenn sie mal stolpern.

Was hat sich seit dem Coming Out nun wirklich verändert? Der Sohn ist noch der selbe, mal zum Knuddeln, mal zum Schelten. Weder sein Erscheinungsbild noch sein Charakter ist anders als vorher, er ist kein Anderer in dieser Gesellschaft. Nur, er kann jetzt ein bißchen freier und leichter atmen.

S. H.

Szenenfotos aus dem Film "Das Hochzeitsbankett"

Gedanken einer Mutter