Sarkastische Tragikomödie "American Beauty"

Sein erster und einziger Höhepunkt des Tages sei es, wenn er sich morgens beim Duschen einen runterholt. Szenenfoto aus Da steht er unter dem fließenden Wasser, wichst und Lester Burnhams Stimme aus dem Off kommentiert das mit einer Mischung aus Sarkasmus und Frustration. Der Job ist Routine geworden, die Ehefrau (Annette Bening) mit ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit unerträglich. Die pubertierende Tochter Jane nervt und hat den Vater längst als Looser abgestempelt. Doch als Lester (Kevin Spacey) die Freundin von Jane erblickt, ein junges Blondchen, das mit seiner erotischen Wirkung auf gemeine Weise zu spielen weiß, bricht er aus allem aus. Den Job schmeißt er hin, die Pink Floyd-Platten kommen zu neuen Ehren, der alternde Körper wird gestählt, um der frühreifen Angela zu gefallen. Und der merkwürdige Nachbarssohn Ricky versorgt ihn mit Dope.

Regisseur Sam Mendes und der schwule Drehbuchautor Alan Ball zerstören Stück für Stück den amerikanischen Mittelstandstraum von einer heilen Welt und glücklichen Familie. Die Figuren sind klar und doch so geheimnisvoll gezeichnet, daß ihre Entwicklung nie vorhersehbar ist. Szenenfoto aus Ist Ricky ein potentieller Mörder und sein furchterregender Vater, der Ex-Soldat und Nazi-Verehrer nur deshalb so homophob, weil er seine eigene Homosexualität verdrängt? Ist Angela wirklich solch ein durchtriebenes Flittchen? Und ist das spießig-nette schwule Paar in der Nachbarschaft wirklich das einzig normale in dieser Straße? Zwei Stunden lang dreht sich die Schraube langsam zu, schärfen sich die Charaktere und verdichten sich die Konflikte, bis die Farce sich in einer blutigen Tragödie auflöst. Einfach perfekt und nachhaltig beeindruckend.

Axel Schock

American Beauty
Regie Sam Mendes
Mit Kevin Spacey, Annette Bening, Thora Birch, Wes Bentley
USA 1998, 122 min
Kinostart 20.1.

Jenseits des Idylls