"Master & Servant" eröffnet

In der Dresdner Neustadt hat das Hechtviertel ein etwas anrüchiges Image. Da hatte ein pfiffiger Wirt eine pfiffige Idee. Wenn hier in dieser zu Unrecht verrufenen Gegend ein neues Lokal eröffnet, dann darf es auch ein verrufenes Lokal sein. Gedacht, getan und "Master & Servant" über den Eingang geschrieben...

Gegenpol würde über dieses Ereignis kaum berichten, soll doch primär das heterosexuelle S/M- und Fetischpublikum angesprochen werden. Aber im Zeitalter der Mixed-Veranstaltungen, der bizarren Bälle und Clubs, wird es auch im "Master & Servant" einmal im Monat eine Gay-Party geben. Und offen für alles neue sind wir sowieso.

Einen Eindruck von dieser Einrichtung gewinnt man schon im Vorbeigehen. Jeder Passant kann durch die großen Schaufenster das Geschehen im Erdgeschoß verfolgen. Einschränkung: Viel gibt es nicht zu sehen. Ein großer Gastraum, unverputzte Wände, viel Blech und schwarze Deko. Nach dem Betreten des Lokals fällt die große Treppe Richtung Keller ins Auge. Doch noch Hoffnung, daß unsere geheimen Wünsche, vom Namen über der Tür beflügelt, Realität werden könnten. Wir finden eine geschlossene Bar. Kein Wunder, es waren an diesem Wochentag nur wenige Gäste anwesend. Hinter der Bar eine Tanzfläche, von der Decke hängen die in einer Disco üblichen Spiegelkugeln, Scheinwerfer und ein paar Ketten. Ach, doch, ja. Schade daß unser geübtes Auge auch gleich die dünne Befestigung erkennt; zum Benutzen kaum geeignet. In einem weiteren, abgedunkelten Raum hängt sogar ein Andreaskreuz. Hoffentlich läßt sich niemals irgendjemand darauf ein, sich mit den vorhandenen Stricken daran festbinden zu lassen. Er oder sie würde sofort blutig gescheuerte Handgelenke haben. Uns packt das kalte Grausen und mit schon leicht irritiertem Blick sitzt das Testteam wieder oben vor schlecht gefüllten Biergläsern. Wir schauen diskret in die Speisekarte. Das Angebot klingt gut: mediterrane Küche zu hohen Preisen. Was soll das denn? Sind wir hier beim Leder-Italiener? Nein, sind wir nicht. Sondern bei einem Wirt, dem jemand etwas von Erlebnisgastronomie erzählt hat und der flugs das am wenigsten besetzte Segment für sein Lokal genutzt hat. Entstanden ist dabei nichts Halbes und nichts Ganzes. Auch wenn uns klar ist, daß unser Maßstab nicht ganz passend gewesen ist. Die heterosexuelle Welt werden wir nie so ganz nachvollziehen können und nichts ist gleich zu Anfang perfekt. Okay, es kann nur besser werden.

Ralf

Bizarres Lokal