SIEGESSÄULE und GEGENPOL präsentieren:

Feuchte Träume und durchnäßte Unterhemden

"Nobody's Perfect" – schwule und lesbische Filmidole im Schwulen Museum

Träumen nicht viele Lesben davon, die gleiche Wirkung auf Frauen zu haben wie Clark Gable? Geht nicht so mancher Schwuler in jeden Film mit Keanu Reeves, sei er auch noch so fürchterlich?

Die erste schwullesbisch gemischte Ausstellung, die im Kreuzberger Schwulen Museum geboten wird, geht ab Januar dem Phänomen des Idols unter dem besonderen Aspekt der homosexuellen Schwärmerei nach. Und da kommt so manch überraschendes Ergebnis zutage: Zum Beispiel das Faible für verschwitzte, dreckige, gerippte Unterhemden wie bei Bruce Willis in "Stirb Langsam", bei Sigourney Weaver in "Alien", Jean-Claude van Damme (grundsätzlich), Linda Hamilton in "Terminator II" oder Gina Gershon in "Bound". Die Wahl der Idole wird nicht durch Niveau noch durch schauspielerisches Können getrübt, sondern ist eine rein emotionale, gelegentlich auch hormonelle Entscheidung. Diesen "Verirrungen" trägt die Ausstellung Rechnung indem neben den Standards wie Zarah Leander, Hildegard Knef, Elvis oder Bette Davis, die Idole der heutigen Queers die gleiche Daseinsberechtigung haben. Gleichermaßen Idol Nummer eins für Lesben wie für Schwule ist übrigens laut Umfrage in der SIEGESSÄULE Marlene Dietrich. Sie wird eingehend gewürdigt und gehuldigt, ebenso wie James Dean, der sogar ein eigenes "Kinderzimmer" mit James-Dean-Tapete, Fotos, Postern und vielen anderen Devotionalien bekommt. Natürlich ist auch Jodie Foster im Programm, Barbra Streisand, Whoopie Goldberg, Montgomery Clift, Rock Hudson oder Brad Pitt. Gewürdigt werden sie in Form von großen Fotos mit biographischen Angaben, Anekdötchen und dem Homofaktor sowie mit Filmplakaten, Filmszenen, Dias, Video und anderer Reizüberflutung. Dabei ist "Nobody's Perfect" so wenig perfekt wie unsere Idole selbst: So fehlen filmwissenschaftliche Aspekte ebenso wie politische Erwägungen oder der Anspruch auf Vollständigkeit. Hier geht es um (feuchte) Träume, um Glanz, Illusion, Schmachten und Kult. Denn Schwule und Lesben haben zwar viele, ganz eigene Idole, doch offensichtlich machen unser Begehren und Schwärmen weder vor unserer sexuellen Orientierung noch vor schlechtem Geschmack halt.

Manuela Kay

"Nobody's Perfect"
20.1. bis 11.4.
Schwules Museum
Mehringdamm 61, Kreuzberg
Eröffnung 19.1., 19 Uhr
Öffnungszeiten Mi, Fr-So 14-18 Uhr, Do 14-21 Uhr
Führungen samstags 17 Uhr, Eintritt 7/4 DM
Samstag 30.1.: lange Nacht der Museen mit Überraschungsprogramm

Langes Wochenende

Lesbische Party-Höhepunkte im Januar

Während die meisten Berlinerinnen und Berliner die tristen Januarnächte bekanntlich frierend vor dem Fernseher sitzen und warten bis das heiße Badewasser endlich eingelaufen ist, feiern Berliner Lesben in diesem Monat – wohl in Ermangelung von Badewannen – ungewöhnlich viele Parties. Eine besondere Häufung findet sich beispielsweise am dritten Januar-Wochenende in Kreuzberg: Den Anfang macht eine gewisse Jane Bond am Freitag 15.1. im SO36, gefolgt von der bislang noch unbekannten Frau B die am Samstag 16.1. zum ersten Mal zu ihrer Easy Bar ins Schokocafé einlädt. Gastgeberin Frau B, die auch an den Plattentellern stehen wird, verspricht Easy Listening, Retro und schöne Schlager sowie leckere Getränke und rät laut Einladung: "Imponieren Sie mit der Wahl ihrer Kleidung". Das Wochenende wird abgerundet durch eine neue Lesben-Playparty im Kreuzberger Club Extrem, die am Sonntag 17.1. ab 17 Uhr Premiere feiert. Ab Januar steht der SM/Fetisch-Club an jedem dritten Sonntag im Monat ausschließlich Frauen offen. Die Veranstalterinnen scheinen allerdings nicht wirklich davon auszugehen, daß sich die Frauen tatsächlich vor allem miteinander beschäftigen und so werden vorsichtshalber Snacks, Lesung, ein Mini-Workshop und eine Performance vorbereitet. Außerdem müssen sich die spielbereiten Frauen halbwegs beeilen, denn um 22 Uhr ist schon wieder Schluß.

Weitere Höhepunkte sind in diesem Monat, in dem MS TitaniCa und Chit Chat Club ihre Winterpause beginnen, die glamouröse Diven Attacks-Party in der Kalkscheune (23.1.) und die neue alternative Frauenparty "female underground" am 30.1. im Ackerkeller.

Peter Polzer

Jane Bond Party
am 15.1. ab 22 Uhr
im SO36, Oranienstr. 190, Kreuzberg

Frau B’s Easy Bar
am 16.1. ab 20 Uhr
im Schokocafé, Mariannenstr. 6, Kreuzberg

Extreme Women
am 17.1. ab 17 Uhr
im Club Extrem, Nostizstr. 30 HH, Kreuzberg

"Sinneslust" in Briefmarken

Bild von Stefan Merkt Ab 16. Januar bis 26. Februar 2000 stellt Stefan Merkt unter dem Titel "Sinneslust" seine "erotischen Fragmente" im Café des Mann-O-Meter in Berlin aus. Fotografien von Gesichtern, nackten Körpern und knisternden Momenten verändert er mit gewöhnlichen Briefmarken, Aquarellfarbe oder gefärbtem Sand. Dabei werden nur noch Bruchstücke dieser erotischen Bilder erkennbar. Der Betrachter soll, so der Kölner Stampagenkünstler, bei seiner erotischen Spurensuche bewußt in die Rolle des Voyeurs gedrängt werden.

Die Briefmarke als Teil seiner Kunstobjekte hat Stefan Merbt vor mehr als einem Jahrzehnt für sich entdeckt. Seitdem benutzt es diese kleinen bunten Klebebildchen zur Gestaltung seiner Bilder und Objekte. Pop-Art – mit der es Spaß macht, jemanden seine Briefmarkensammlung zu zeigen.

my

Die Ausstellung wird am 16. Januar um 17 Uhr mit einer Vernissage in Anwesenheit des Künstlers eröffnet.

Öffnungszeiten des Mann-O-Meter
Montag bis Freitag 17-22 Uhr
Samstag und Sonntag 16-22 Uhr

Mann-O-Meter
Motzstraße 5, Berlin – Schöneberg

Die Berlin-Szene-Highlights im Januar