mit Udo T. Masgaj - Projektleiter Kulturmanagement der "RosaLinde"

Die Leipziger Szene konnte 1999 ein turbulentes Jahr erleben. Daran hatte nicht zuletzt auch der "RosaLinde e.V.", der SchwuLesbische Verein Leipzigs, seinen großen Anteil. Gegenpol sprach aus Anlaß des Jahreswechsels mit dem Projektleiter für Kulturmanagement Udo T. Masgaj über Vereinsarbeit und das Angebot 2000 in der "RosaLinde".

Gegenpol:
1999 war für Leipzig und speziell die "RosaLinde" sicher ein ereignisreiches und aufregendes Jahr. Wie habt Ihr, hast Du dieses Jahr erlebt, was ist Euer Resümee?

Udo T. Masgaj:
Stimmt, das Jahr war ziemlich lebhaft mit mehreren Hochs und Tiefs. Insgesamt kann man aber sagen, daß 1999 für den Verein ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen ist. Im besonderen hatten wir in diesem Jahr einen Neubeginn gewagt mit einem deutlich verbesserten Kulturangebot für die Leipziger und die Gäste der Stadt. Das Konzept ist recht gut angelaufen, so daß wir motiviert sind, auch im Jahr 2000 in diesem Rahmen weiterzumachen.

Gegenpol:
Wurde Euer neues kulturelles Konzept von den Besuchern angenommen?

Udo T. Masgaj:
Eindeutig ja, aber auch nein. Sicher, es gab einige Veranstaltungen, die vom Publikum nicht so gut angenommen wurden, was sich dann in den Besucherzahlen ausdrückte. Aber es ist auch schwierig, Leute für ein anspruchsvolles Unterhaltungs- und Kulturprogramm zu begeistern und zum Besuch einer derartigen Veranstaltung zu bewegen. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Bei einigen Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Diskussionsrunde mit Pornostar Wolff oder der Lesung zu Sexperimente im Rahmen der Leipziger Buchmesse, war das Interesse und damit der Andrang so groß, daß Besucher leider weggeschickt werden mußten, weil der Platz nicht ausreichte.

Gegenpol:
Gibt es da einen Unterschied zwischen schwul und lesbisch thematisierten Veranstaltungen?

Udo T. Masgaj:
Egentlich schon, denn die lesbischen Veranstaltungsangebote, wie das Konzert mit Carolina Brauckmann zum Lesbentreffen im Oktober, waren im Durchschnitt deutlich besser besucht, als schwule oder gemischte Events. Woran das liegt, kann man nicht genau sagen.

Gegenpol:
Welche Probleme siehst Du bei der Vereinsarbeit innerhalb der "RosaLinde"?

Udo T. Masgaj:
Nun, jeder Verein hat wohl seine Probleme, insbesondere auch damit, ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen und für eine erfolgreiche Vereinsarbeit zu motivieren. Das ist schwierig, da diese Arbeit sehr zeitaufwendig ist und viel Engagement fordert, das einem oft nicht gedankt wird.

Auf der anderen Seite gab es natürlich größere Defizite bei den "Herbst-Gay-Lüsten '99" aufgrund der fehlenden Kooperation zwischen den unterschiedlichen Leipziger Szene-Anbietern. Dadurch mußte die bundesweite Werbung für dieses Ereignis und die Szene Leipzigs etwas verringert werden. Die Quittung waren die geringeren Besucherzahlen im Herbst.

Gegenpol:
Werden die "Herbst-Gay-Lüste" im Jahr 2000 trotzdem fortgesetzt?

Udo T. Masgaj:
Es wird auch 2000 wieder "Herbst-Gay-Lüste" geben. Ob der Aufwand, der seitens des Vereins im zurückliegenden Jahr betrieben wurde, erneut betrieben werden kann, ist noch nicht klar. Trotzdem wird auf jeden Fall versucht, ein attraktives Programm auf die Beine zu stellen. Und wir hoffen, damit wieder mehr Leute zu den Veranstaltungen nach Leipzig zu ziehen.

Gegenpol:
Welche Programmhöhepunkte darf der Linde-Besucher sonst noch im neuen Jahr erwarten?

Udo T. Masgaj:
Es ist ein umfangreiches Programm in Planung. In der Linde werden unter anderem Annette Küppersbusch, Wanda Rumor oder der Tap Dancer Gaines Hall zu Gast sein. Wir freuen uns noch auf weitere interessante Veranstaltungen und Künstler, die, wie wir denken, auch das Interesse und den Geschmack der Besucher und Besucherinnen treffen werden.

Gegenpol:
Vielen Dank !

Szene-Interview