Kostenloser Segen oder Betrug und Rosa Listen?

Im Sommer letzten Jahres erreichte wahrscheinlich die meisten Szeneadressen im deutschsprachigen Raum ein ganz harmlos aussehender Brief: "Korrekturofferte Gay-Guide-Führer Deutschland Österreich Schweiz". Der Verlag bot an, den bisherigen Erscheinungstext, eine schlichte Adressenangabe, zu ändern und durch genauere Informationen zu ergänzen. Die Textkorrektur sollte in jedem Falle, auch wenn sich nichts geändert hat, zurückgesandt werden. Ein Erscheinen sei sonst nicht möglich. Für viele Wirte und Vereine reine Routine. Wer kennt schon alle Szeneführer auf dem Markt.

Das böse Erwachen kam dann offenbar für alle, die so "schlau" waren, zu antworten im April 2000 in Form einer Rechnung. Für den bestellten Standardeintrag seien 169,- DM zu bezahlen, zzgl. Porto für das Belegexemplar. Die Recherche eines erstaunten Vereines beim herausgebenden SEG Verlag ergab, daß angeblich auf der Rückseite der "Korrekturofferte", in den Geschäftsbedingungen versteckt, der Preis für den Standardeintrag festgesetzt sei. Bereitwillig faxte der Verlag Auftrag und Rückseite. Ein Blick auf das Original zeigte schnell, daß die Rückseite gar nicht bedruckt gewesen ist. Also Betrug?

Der Verein verlangte die Stornierung der Rechnung und drohte mit rechtlichen Schritten.

Die Antwort des SEG Verlages kam erstaunlich schnell innerhalb einer Stunde. In der Antwort heißt es: "Ihr Vorbringen ist impertinent und schlichtweg falsch. Selbstverständlich hat unsere verlagsinterne Rechtsabteilung die Korrekturofferten geprüft. Diese entsprechen vollends der deutschen Rechtsprechung. Trotz dieser Sachlage stornieren wir wunschgemäß Ihren Auftrag. Des weiteren werden wir alle Publikationen unserer Unternehmensgruppe nach Geschäftsverbindungen mit Ihnen filtern. Soweit vorhanden, werden wir Aufträge und redaktionelle Berichte, welche in Zusammenhang mit Ihrem Verein stehen, canceln. Wir hoffen, ihnen hiermit geholfen zu haben."

Ein Blick in den "Gay Guide" offenbart die große Langeweile. Nur schlecht gestaltete Seiten mit fast allen bundesweiten Szeneadressen, ohne Text, ohne Erläuterungen, ohne Beratungsangebote und fast ohne Bilder. Der größte Teil der Adressen klein, etwa jede Vierte größer und mit spezifischen Angaben: Offensichtlich die Antworten auf die Korrekturofferte.

"Die kostenlose Verteilung des Gay Guide erfolgt nach Wahl der Gesellschaft", ist den Geschäftsbedingungen zu entnehmen. Aber anstelle einige Hefte zur Auslage zu bringen, schickt der Verlag Bestellpostkarten mit. Interessierte Männer sollen offenbar dem Verlag auch noch zu einem schwulen Adreßverzeichnis verhelfen. Wofür?. Wo doch das Auslegen in größeren Mengen viel preiswerter wäre, als der Einzelversand. Erstellt hier jemand eine rosa Liste? Oder sollen die Adressen gewinnbringend verkauft werden, und wenn ja, an wen?

pc

Gay Guide