"Makellos" von Joel Schumacher mit Robert De Niro

In einem fulminanten Auftakt werden wir in einer aufregenden, schnellen und brilliant geschnittenen Gangsterjagd durch Straßen, Hinterhöfe und Treppenhäuser New Yorks geführt. Szene aus Schwarze Banditen, Drag-Queens, Junkies, abgehalfterte Cops und ein schäbiges Hotel als Ort des Geschehens bilden die Kulisse für eine Geschichte, die alle bekannten Klischees über New York aufzuweisen hat. Inmitten all der Aufregung versucht sich auch Ex-Cop Walt – gespielt von Robert de Niro – in die Verfolgungsjagd einzumischen, doch erleidet er genau vor dem Schießduell einen Schlaganfall und ist für den Rest des Films halbseitig gelähmt.

Erst dann beginnt die eigentliche Geschichte des Films: die Freundschaft zwischen der Tunte Rusty, der ebenfalls im dem abgeranzten Hotel lebt; und Walt, der Gesangsunterricht nehmen muß, um seine Sprechfähigkeit wiederzugewinnen. In Ermangelung eines Gesangslehrers landet Schwulenhasser Walt ausgerechnet bei Rusty. Keine sehr originelle Geschichte, wäre sie nicht in eine spannende Krimistory eingewoben, die sich durch den ganzen Film zieht und immer wieder für Überraschungsmomente sorgt.

Leider kann "Makellos" ("Flawless"), dessen Titel auch nach 110 Minuten nicht so recht einleuchten will, das Tempo und die Spannung des Anfangs nicht ganz durchhalten. Zu rührselig und vorhersehbar sind die Teile der Story, in denen es um die Annäherung des konservativen Walt an die fremde Welt der Drag-Queens geht. Szene aus Dabei ist Rusty, der sehr eindringlich und vielschichtig von Philip Seymour Hoffman verkörpert wird, keine gewöhnliche Tunte. Er ist transidentisch und spart für seine Operation, um endlich als Frau leben zu können. Bis dahin engagiert er sich im örtlichen schwul-lesbischen Zentrum, dessen Darstellung eher peinlich ist. Auch wenn es Kurzauftritte von New Yorks Star-Drag-Queens Joey Arias und Jacky Beat gibt, so strotzen die Szenen mit keifenden Tunten und prügelnden Lesben nur so vor abgegriffenen Klischees. Von den glamourösen und perfekt gestylten Tunten à la "Paris is Burning" einmal abgesehen, könnte man sich ein Homo-Zentrum wie hier gezeigt eher in Bielefeld als in New York vorstellen. Trotzdem dürfte "Makellos" auch ein Renner für Großstadt-Tunten werden, denn in der Figur des Rusty sehen wir eine wirklich reflektierte, talentierte und vorbildhafte transidentische Drag-Queen, die zu ihrer Häßlichkeit genauso steht wie zu ihrem gewalttätigen Hetero-Boyfriend. Robert De Niro wird fast ein bißchen von Philip Seymour Hoffman ausgestochen. Szene aus Die gemeisamen Szenen werden von Hoffman dominiert, zumal De Niros Texte fast gar nicht mehr zu verstehen sind.

"Makellos" ist kein genialer, aber ein sehr interessanter Film, dessen Machart ungewöhnlich ist und der auch in zwei Stunden nicht langweilig wird. Für einen schwul-lesbischen Kultfilm mit hohem Identifikationswert im Sinne von "Priscilla" oder "Paris is Burning" reicht es allerdings nicht. Dafür gibt es zuviel Charakterstudie und Psychokram. Als gewagten Schritt aus Hollywood, denn davon muß man bei dieser Thematik leider auch im Jahre 2000 immer noch sprechen, und als Film, aus dem man garantiert mit breitem Grinsen geht, ist "Makellos" allemal empfehlenswert.

Manuela Kay

"Makellos"
Regie: Joel Schumacher
mit: Robert de Niro, Philip Seymour Hoffman,
Daphne Rubin Vega, Barry Miller u.a.
USA, 110 min.
Kinostart: 6.7.

Makellos - Verlosung

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Einsendeschluß ist der 10.07.2000

Ode an die Toleranz