Der Welt-CSD in Rom gerät zum Politikum

World Pride: Logo

Der "World Pride 2000" in Rom spaltet nicht nur Italiens Politik und Gesellschaft, sondern sorgt auch für Ehekrach im Hause Amato. Was als großes Fest gedacht war, gerät mehr und mehr zur Farce. Politische rechte und katholisch-konservative Kreise verstärken ihre Kampagne gegen den Welt-CSD.

Es sollte das größte Fest für Homosexuelle in der Geschichte Italiens werden. Zahlreiche Schwulen- und Lesbengruppen haben vom 1. bis 9. Juli 2000 zum World Pride nach Rom geladen.

World Pride: Propaganda "Italien braucht Söhne, keine Homosexuellen. Stopp dem Gay-Pride" Italiens Rechte macht mobil gegen den Welt- CSD

Das Programm steht und anläßlich sinkender Übernachtungszahlen in Rom könnte der World Pride die Rettung für die darbenden Hoteliers in der ewigen Stadt sein. Doch mittlerweile gerät die Veranstaltung zum Politikum. Es ist ein regelrechter Kleinkrieg zwischen rechten und linken Parteien, der katholischen Kirche und der Homosexuellenbewegung entbrannt. Der Vatikan fürchtet, sicher nicht ganz zu Unrecht, daß der World Pride zur Demonstration gegen die Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit der Kirche genutzt werden könnte. Dies würde im Heiligen Jahr kein gutes Licht auf die katholische Kirche werfen. Staatspräsident Amato forderte deshalb im Italienischen Parlament die Verschiebung der Veranstaltung. Er bezeichnete den World Pride als im Heiligen Jahr "unpassend". Seine Ehefrau Diana Amato hingegen sagte, daß sie die Gay-Veranstaltung unterstützt und distanzierte sich damit von den Äußerungen ihres Mannes.

Antonio Scanio Landwirtschafts­minister Antonio Scanio outtete sich öffentlich als bi

Auf Kritik stieß auch das öffentliche Outing des Landwirtschaftsministers Antonio Scanio. In einem Interview mit der Zeitschrift Panorama erklärte Scanio, er sei bisexuell und er lehne den altmodischen Zwang ab, sich entweder für Homo- oder Heterosexualität entscheiden zu müssen. Mit diesen Äußerungen sorgte er für heftige Streitigkeiten innerhalb der Regierung. Unterdessen hält die italienische Lesben- und Schwulenbewegung am Programm fest. Rechte Gruppierung nutzen die Querelen um den World Pride hingegen propagandistisch aus. Mittlerweile hat auch die Stadt Rom die bereits zugesagte finanzielle Unterstützung in Höhe von umgerechnet 300.000 DM widerrufen. Es bleibt also spannend bis zur letzten Minute, ob der World Pride überhaupt stattfindet.

Alex

Großer Krach um großes Fest