Und mag's von hinten

CD-Cover: Kassengift "Kassengift" lautet der plakative Titel der neuen CD von Rosenstolz. Die Scheibe liefert textlich genau das, was man ohnehin von den beiden Berlinern erwartet hat: provokante Lyrics mit doppeltem Boden. AnNa singt wie immer von Sex, Liebe, Trennung, Einsamkeit und vor allem über den Sinn des Lebens. Trotzdem ist das "Kassengift" etwas komplett Neues. So direkt wie auf der neunten CD gab man sich bislang nur selten. Die Überschrift dieses Artikels liefert davon nur einen kleinen Vorgeschmack. Und während Rosenstolz bislang ausschließlich mit deutschen Texten aufwarteten, liefern sie dieses Mal gleich zwei fremdsprachige Titel ab.

Die eigentliche Überraschung ist jedoch die Musik an sich. Mancher eingefleischte Fan wird möglicherweise einen Schock erleben – mutig ist die instrumentale Besetzung in jedem Fall. Wie das Publikum darauf reagiert, ist allerdings eine andere Frage, denn soviel Elektronik gab es noch nie auf einem rosenstolzen Album.

Mit der ersten Auskopplung "Amo Vitam" (erscheint Ende August) liefert das Duo einen trancigen Mittelalterpop-Song in Latein. Klingt nicht gerade nach Rosenstolz, aber trotzdem gut. Mit einem gelungenen Cover von "Total Eclipse" begibt man sich außerdem erstmalig auf englischsprachiges Terrain. Hier läßt AnNa ihrer Stimme völlig freien Lauf – in allen erdenklichen Tonlagen.

Die Highlights des Albums finden sich trotzdem unter den deutschen Titeln. Das schrille "Kassengift" und der traurigschöne "Bastard" sind genau das, wofür man Rosenstolz liebt – zu Recht. Da verzeiht man AnNa gern, daß sie ihre Stimme bei manchen Liedern der neuen CD allzu sehr hinter der Technik versteckt. Nötig hat sie das nun wahrlich nicht.

MaN

Rosenstolz: "Kassengift"
Veröffentlichung 04. September 2000

Bin nicht blond...