"Ein Freund zum Verlieben" mit Madonna und Rupert Everett

Zwischen der Yoga-Lehrerin Abbie (Madonna) und dem Landschaftsdesigner Robert (Rupert Everett) herrscht die Art von Bilderbuchfreundschaft, getragen von blindem Vertrauen, welche immun gegen äußere Einflüsse zu sein scheint. Die Gemeinsamkeiten beschränken sich allerdings nicht nur auf Charakterzüge, sondern erstrecken sich auch auf die Gattungswahl bei der Partnersuche: Männer.

Szene aus Nachdem Abbie von ihrem Partner verlassen wurde und dann auch noch ein gemeinsamer Freund viel zu jung stirbt, macht sie sich Sorgen um ihre Zukunft. Torschlußpanik! Robert, dem ähnliche Gedanken durch den Kopf gehen, zeigt seine Ängste nicht, sondern versucht Abbie mit seiner lockeren Art aufzurichten.

Bei einer kleinen, aber um so ausgelasseneren Party for two, schaukeln sich beide gegenseitig so hoch, das am Ende etwas völlig Unerwartetes geschieht. Sie geben sich auf heterosexuelle Art und Weise einander hin. Ausgerechnet am amerikanischen Nationalfeiertag. Welch ein Bild! Es folgen gegenseitige Schuldvorwürfe und Verdrängungsversuche. Aber das Ergebnis dieser euphorischen Nacht läßt sich nicht leugnen. Abbie ist schwanger und entscheidet sich für das Kind. Robert, der nun unerwartet mit der Vaterrolle konfrontiert wird, stellt sich dieser Verantwortung.

Szene aus Als platonisches Freundespaar bauen Abbie und Robert eine Familie auf, die - mangels üblicher Eheprobleme - über Jahre hinweg prächtig funktioniert und ihnen das Gefühl gibt, nicht auf Biegen und Brechen einen Partner fürs Leben finden zu müssen. Bis Abbie eines Tages den sympathischen und erfolgreichen Geschäftsmann Ben kennenlernt. Dieser erweist sich als idealer Partner für sie, da er auch einen guten Draht zu ihrem mittlerweile sechsjährigen Sohn findet. Aber zwei Väter sind in diesem Falle zuviel.

Probleme, die sich noch durch einige Überraschungen zuspitzen...

Dem britischen Oscar-Preisträger und Regie-Veteran John Schlesinger ist es gelungen, eine unkonventionelle Art der Familienführung in eine kurzweilige Erzählung umzusetzen. Das gelingt auch dadurch, daß das Schwergewicht nicht auf das Dramatische oder Komödiantische gelegt wird. Das richtige Leben schreibt schließlich auch nur Drehbücher, in denen es auf- und abwärts geht. Erfreulicherweise wird Roberts Schwulsein im Film nicht problematisiert, sondern ist ganz selbstverständlich. Selbst im konservativen Hollywood schreitet die Liberalisierung unaufhaltsam voran. Auch auf die üblichen Klischees verzichtet Regisseur John Schlesinger in diesem Film fast völlig.

Szene aus Dreh- und Angelpunkt der Story ist die Beziehung zwischen Abbie und Robert. Dem Film kommt es dabei sehr zugute, daß Madonna auch privat mit Rupert Everett befreundet ist. Überhaupt enthält der Film auffallend viele biographische Züge, wodurch Madonnas Darstellung glaubhaft wird. Davon abgesehen kann sie auf reichlich (wenn auch weniger erfolgreiche) Filmerfahrung zurückblicken.

Ihr Gegenpart wird von dem britischen Darsteller Rupert Everett ("Another country") verkörpert. Die Rolle des schwulen Robert wurde ihm praktisch auf den Leib geschrieben. Schlagfertig und charmant ist Rupert Everett mehr als nur Stichwortgeber für eine erstaunlich vielseitig agierende Madonna.

Im Gegensatz zum Originaltitel "The Next Best Thing", der den sarkastischen Grundton des Films einfängt, hat man bei der Wahl des deutschen Kinotitels, der eher eine Aura der Langeweile vermittelt, leider kein glückliches Händchen bewiesen. Wahrscheinlich wird sich aber der Teil des Publikums, welcher nicht nur für krachendes Popcorn-Kino empfänglich ist, davon nicht abschrecken lassen. Ein Besuch lohnt sich allemal, nicht nur für Madonna-Fans!

MSt

"The next Best Thing"
Regie: John Schlesinger
mit Rupert Everett, Madonna, Benjamin Bratt u.a.
USA 2000
98 min
Kinostart: 10. August

Platonische Freundschaft mit Folgen