Regenbogen im New Orleans

Wer am 30. Juni bei der Neueröffnung des "New Orleans" dabei sein wollte, stand erst einmal vor verschlossenen Türen. Zuerst hieß es nämlich Abschiednehmen vom altehrwürdigen "Advokat", der kleinen vornehmlich schwulen Kneipe am Brühl. Die füllte sich denn auch in den späten Abendstunden mit so vielen Besuchern, wie sie der Laden in den letzten Jahren selten gesehen hat. Die Betreiber hatten vorgesorgt und draußen einen Bratwurstgrill aufgestellt, so entwickelte sich die Sache schnell zur Straßenparty. Punkt Mitternacht hatte schließlich das letzte Stündlein des Advokat geschlagen. Unter den Klängen von "Time to say good by" verließen die Gäste, der eine oder andere Stammgast mit einer Träne im Knopfloch, die drangvolle Enge zum letzten Mal.

Der Umzug währte nur kurz. Direkt daneben öffneten sich feierlich die Pforten des neuen "New Orleans". Schon der erste Blick aufs Interieur und die Musik machen deutlich, daß der Laden seinen Namen zurecht trägt. Ein rustikaler Tresen, diverse Souvenirs und Bilder sorgen für Südstaaten-Flair. Trotz kostenloser Begrüßungsbowle hatte es die kleine Liveband anfangs allerdings nicht leicht, für Stimmung zu sorgen. Wahrscheinlich waren die ersten Eindrücke bei den Gästen noch zu frisch.

alt Das "New Orleans" ist etwas größer und räumlich stärker gegliedert als sein Vorgänger. Mehrere Tische laden auch im größeren Rahmen zum gemütlichen Beieinandersitzen ein. Der absolute Hit: das gute alte Tischtelefon feiert hier fröhliche Urstände. So wird das Flirten und Baggern zum Kinderspiel. Wählt man die 31, kann man direkt am Tresen die neue Getränkerunde ordern. Außerdem ist es hier auch möglich, für wenig Geld im Internet zu chatten, gerade für jüngeres Publikum ein nicht zu unterschätzendes Angebot, mal vorbeizuschauen. Etwas ironisch mutet es an, wie hier die Regenbogenfahne mit der Südstaatenflagge "kuschelt", läßt aber auch keinen Zweifel über die Vorlieben der meisten Gäste aufkommen.

Die Party am Eröffnungstag dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Alles in allem haben die Betreiber einen bemerkenswerten Einstand geboten. Bleibt nur, auch von uns aus, weiter viel Erfolg zu wünschen.

ap

Leipzig