Das erste Mal...

Pizzakartons der letzten vier Wochen stapeln sich in der Küche neben sämtlich benutztem Geschirr, Wäscheberge faulen stinkend in den Ecken vor sich hin, fußballgroße Staubflusen wehen über den Boden und überall liegen Chipstüten neben überfüllten Aschenbechern.

Die Klischees einer WG sind unerschöpflich. Was das Grauen für die Eltern ist, ist für die Kids der erste Schritt ins eigene Leben. Wir sagen wie's geht.

Die Entscheidung

Wenn Ihr die Entscheidung, in einer WG heimisch zu werden, einmal getroffen habt, laßt es erst einmal langsam angehen. Bereitet die Eltern darauf vor und legt euch zur Argumentation auch schon mal ein rechnerisches Beispiel bereit. Das zieht immer.

Verzichtet bitte auf die Kombination "Ich bin schwul und ziehe in eine WG mit meinem Freund".

Das wäre zwar eine schöne Schocktherapie, aber schließlich will ja keiner auf die Mithilfe der Eltern beim Umzug verzichten. Erst recht wenn diese sich in Mark und Pfennig äußert.

Überlegt auch gut, ob eine WG das Richtige für Euch ist. Bedenkt bitte, daß das meiste was ihr über WGs wißt, wahr ist.

Der Umzug

....sollte gut vorbereitet sein, damit es keine Flucht wird. Macht Euch am besten einen Plan, wo in Eurem Zimmer etwas von Euren alten Möbeln aufgestellt werden soll und vor allem, was dort hineinpaßt.

Das Beste ist, den Umzug mit Freunden, wenn möglich mit denen aus der WG, zu organisieren.

Das wird nicht nur billiger (Möbeltransporte sind unverschämt teuer), sondern ihr könnt euch so gleich richtig kennenlernen. Für eine Partnerschafts-WG ist dies der richtige Anlaß, seinen Partner den Eltern vorzustellen.

Die Einrichtung

Jaffamöbel sind billig und peppig, aber sehr kurzlebig. Um genau zu sein, sie überdauern wahrscheinlich nicht einmal die Einzugsparty. Deshalb sollten es schon richtige Möbel sein, aber auch hier gilt: Einen Schritt nach dem anderen. Prioritäten setzen und entscheiden, was am nötigsten ist.

In einer WG sind zumeist Küche und Bad vorhanden, wenn es überhaupt Räume dafür gibt.

Das entfällt also schon mal. Einen Wohnraum müßt ihr euch selbst schaffen.

Dabei ist aus vielerlei Gründen das Bett am wichtigsten. Weiter solltet Ihr einen Schrank haben und einen Tisch mit einem Stuhl. Unter dem läuft nix.

Die Nachbarn

... sind sowieso meist daneben, also ignoriert sie am besten. Beim Einzug mal kurz mit dem Schrank gegen die Türe fallen und sich vorstellen reicht schon. Was man dann erreicht, ist ohnehin nicht zu verbessern, also lernt damit zu leben.

Übrigens solltet ihr im Haus nicht zögern, euren Partner bekannt zu machen. Da ihr jetzt eure eigenen Herren seid, braucht ihr euch nicht zu verstecken.

Der Kühlschrank

...ist das Heiligtum einer WG. Haltet ihn sauber und respektiert die Reviere. Der Joghurt der Mitbewohnerin ist tabu! Socken und Shorts gehören nicht dort hinein und wenns denn mal laute Ploppgeräusche geben sollte, kontrolliert öfter die MHD-Daten.

Auf immer bei den Eltern?

Als geouteter Schwuler bei seinen Eltern zu wohnen, ist oftmals gar nicht so einfach, vor allem, wenn sie dem Thema Homosexualität nicht gerade tolerant gegenüberstehen, und sich durch einen "Fremden" (und sei es auch der feste Freund) in ihrer abendlichen Ruhe gestört fühlen.

Vermutlich kann jeder leicht nachvollziehen, daß es einem da ziemlich schnell vergeht, den Freund mit nach Hause zu nehmen, wenn ihn die Eltern beim freundlichen "Guten-Abend"-Sagen mit abwertenden, ja sträflichen Blicken empfangen. So ist auch an ein spontanes Übernachten nicht zu denken, wenn man weiß, daß die Eltern am nächsten Morgen am Frühstückstisch ausrasten würden, wenn der Freund mit am Tisch säße.

Die Beziehung leidet darunter, und so kommt es, daß man schneller wieder solo ist, als man gehofft hat.

Was bleibt einem also anderes übrig, als von zu Hause auszuziehen, sobald sich hierzu die Möglichkeit bietet?

Der Studienbeginn ist ein günstiger Zeitpunkt, um seine Auszugspläne zu verwirklichen. Man bekommt BaföG und wenn man Glück hat, noch ein paar Mark von den Eltern, und man kann auf die Suche nach einem neuen Zuhause gehen.

Doch was ist günstiger: In eine WG zu ziehen, in der man erst mal mit den Leuten zurechtkommen muß, oder in eine eigene Wohnung, in der man zwar eine ganze Menge Selbstdisziplin aufbringen muß, um die alltäglichen Erledigungen hinter sich zu bringen, aber dafür (fast) alles machen kann, was man will.

(S.)

Wohnen, Leben, Bauen, ... unser kleiner Ratgeber für Eure vier Wände