Welt-AIDS-Tag '98 in Dresden

Weniger öffentlich als in den beiden zurückliegenden Jahren und diesmal recht unspektakulär ohne große Straßenaktionen und Party präsentierten Dresdner AIDS-Hilfe und Gesundheitsamt rund um den 1. Dezember die Veranstaltungen zum diesjährigen Welt-AIDS-Tag.

Gesprächsrunde im Riverboat Den Auftakt bildete am Vorabend eine Gesprächsrunde auf dem Riverboat, zu der rund 50 Gäste kamen, für die HIV und AIDS aus unterschiedlichen Gründen eine wichtige Rolle im Leben einnehmen. Neben "offiziellen" Vertretern der AIDS-Hilfen aus Dresden, Chemnitz und anderen sächsischen Städten, des Gesundheitsamts oder der Immunschwächeambulanz der Uniklinik waren auch einige Betroffene und deren Angehörige anwesend. Den Schwerpunkt der Diskussion sollte das Thema Prävention darstellen; es ging jetzt, acht Jahre nach der Wende, aber auch um eine Standortbestimmung der AIDS-Arbeit um Osten. Die AIDS-Hilfen befänden sich in einer "schizophrenen Situation", sagte Frau Dr. Beier vom Gesundheitsamt Dresden, die das Gespräch leitete. Einerseits gibt es relativ wenige Infizierte (in Dresden waren bisher "nur" 72 HIV-Tests positiv). Dem steht ein enormer Aufwand an Arbeit, Geld und Personal (vier Hauptamtler und viele ehrenamtlich Tätige) gegenüber. Dabei muß die Frage gestellt werden, ob sich ein derartiger Apparat für eine so geringe Zahl von Betroffenen lohnt und finanziell tragbar ist. Andererseits sollte man die spezifische Situation hier im Osten auch als Chance ansehen, überhaupt präventiv zu arbeiten. Für AIDS-Organisationen in vielen anderen Großstädten scheint das nämlich aufgrund der Vielzahl der Betroffenen, um die man sich dort kümmern muß, fast nicht mehr möglich zu sein. Es muß also gerade jetzt, wo Menschen zunehmend sorgloser mit dem AIDS-Risiko umgehen, darum gehen, neue Konzepte der Information und Beratung zu finden, die über ein bloßes "technisches" Aufklären über HIV, AIDS und Kondome hinausgehen.

Lösungen und Konzepte wurden allerdings an diesem Abend nicht gefunden. Durch die mangelnde Themeneingrenzung konnte sich kein dauerhafter Gesprächsfaden entwickeln. Trotzdem bezeichnete Frau Dr. Beier den Abend als Erfolg, denn wichtig war vor allem, daß man überhaupt miteinander ins Gespräch gekommen sei und daß vielleicht ein Anfang für eine noch intensivere Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Präventionsarbeit gemacht wurde.

Vor allem an das jugendliche Publikum richtete sich die Einladung der AIDS-Hilfe Dresden zu den Filmen "Kids" und "Alive and Kicking", die in dieser Woche in der Schauburg und im Quasimodo (im riesa efau) zu sehen waren. Nach den Filmen fanden mit professionellen Moderatoren Diskussionsrunden zu HIV- und AIDS-Problematik statt. Geplant war dabei eigentlich auch die Präsentation eines Videoclips von Dresdner Schülerinnern und Schülern zum Thema Liebe und Sexualität, Lust und Spaß. Leider konnte dieser Film nicht rechtzeitig fertiggestellt werden, so daß die Aufführung ausfallen und auf einen unbekannten späteren Zeitpunkt verschoben werden mußte.

Umrahmt wurde der Welt-AIDS-Tag in diesem Jahr von der Red-Ribbon-Kampagne. In mehr als 50 Geschäften in der Innenstadt und in der Neustadt waren vom 16.11 bis zum 11.12.98 Spendenbüchsen und Schalen mit den roten Schleifen aufgestellt. Gegen eine Spende konnte jeder interessierte Kunde eine der Schleifen erwerben. Die Aktion war, wie die AIDS-Hilfe bestätigte, ein voller Erfolg. Insgesamt konnten rund 2700 DM eingenommen werden, die direkt für Projekte für Betroffene eingesetzt werden sollen, so beispielsweise auch für ein Beratungsseminar zu Erbschaftsangelegenheiten, welches Ende Januar/Anfang Februar stattfinden soll. Bleibt abschließend zu hoffen, daß die verkauften roten Schleifen als Zeichen für Solidarität mit den Betroffenen auch das ganze Jahr über getragen werden und nicht nur am 1. Dezember eine Alibifunktion zur Gewissensberuhigung erfüllen.

(MyZ)

Standortbestimmung