Wohnt man noch zu Hause bei den Eltern, ist man ganz darauf versessen, zu Freunden auf die berühmt-berüchtigten WG-Parties zu gehen, bei denen so manch unvorhersehbare Sache passiert.

Je größer die WG, desto mehr Gründe lassen sich für einen spontanen Besuch finden. Und selbst wenn mal keine Party auf dem Plan steht oder sogar der WG-Haussegen schief hängt, ist das ein gefundenes Fressen, seine Lust nach dem neusten Tratsch und Klatsch auf Vorrat zu frönen.

Je mehr WGs man kennenlernt, desto schneller reift der Traum, in einer zu wohnen. Schließlich finden die Eltern die Musik und die Uhrzeit, zu der sie laut laufen muß, sowieso nie gut. Auch das zu laute Türenzuknallen zur Unterstreichung der eigenen Meinung in einem alltäglichen Kleinkramstreit kommt bei den Oldies nicht so easy rüber, wie in der WG.

Aufgepaßt:

das Angebot eines Zimmers in einer WG schleicht sich schneller an einen heran, als man es glauben mag.

Bevor man überhaupt noch seine Eltern auf den bevorstehenden Auszug vorbereiten kann, wohnt man auch schon in dem Jugendkult schlechthin.

Welche Auswirkungen solche Umzüge auf den Intellekt derer, die sich freiwillig dazu entscheiden, haben, ist sehr verwunderlich und bemerkenswert. Ganze Statistiker-Generationen werden in WGs geformt. Das sind die Persönlichkeiten, die auf Heller und Pfennig jedem WG-Bewohner, die von ihm/ihr erzeugten Wasser-, Strom- und Reinigungskosten auflisten können.

Andere wiederum entfalten ungeahnte gestalterische Fähigkeiten, alle Mitbringsel der WG-Mitglieder in der Wohnung so zu arrangieren, daß es so aussieht, als wäre das Inventar von vornherein so geplant gewesen.

Schließlich sei noch die "gute Seele" jeder WG zu nennen, die ständig bestrebt ist, alle anfallenden Reste kurz vor ihrem Verfallsdatum in eine bunte würzige Kreation zu verwandeln, woran sich dann alle WG-Mitbewohner bei ausreichend Wein laben.

Neben all den positiven Sachen durch das gemeinschaftliche Zusammenleben, wie zum Beispiel ein nie zur Neige gehender Knoblauchzehenvorrat, müssen die absoluten "roten" Zonen, wie gemeinsame Benutzung des Telefons, der Mülleimer und des Geschirrs durch klare Spielregeln gelöst werden.

Kommt es zu den ersten

Abwanderungen geliebter Mitbewohner der WG, können sich gewohnte Verhaltensweisen sehr schnell umkehren.

Die Zukunft vor Augen wird der/die Ausziehende oft versuchen, das Maximale für sich herauszuschlagen.

Hier ist literweise

Beruhigungstee

gut angebracht, um alle Probleme gemeinschaftlich zu lösen. (Achtung, beim Teekauf im Teeladen gibt es Bonuskarten. Nicht vergessen!)

Ganz praktisch sind dabei angehende Historiker, die auf den Tag genau bestimmen können, wer wieviel Gabeln und Löffel in das WG-Gemeingut eingebracht hat, um es nun wieder herauszulösen.

Am besten begibt man sich bei WG-Gründung sofort auf Papier-Terrain, wo sich in endlosen Vertragsklauseln alle zukünftigen Probleme vorklären lassen. In diesem Vorgehen werden vor allem angehende Juristen aufblühen. Einen Beigeschmack gibt es jedoch: der eigentliche WG-Charme fällt durch die Vertragswerke unter den Tisch.

Alles in allem kann man sagen:

je länger

man in WGs wohnt, desto weniger kann einen verwundern oder auf die Palme bringen, und um so mehr Musikrichtungen und Speisen lernt man lieben und schätzen.

Man lernt die unterschiedlichsten Leute und Ansichten kennen, bekommt jede Menge neue Freunde und Feinde, ohne immer gleich zwanghaft Sex mit selbigen Personen zu haben.

Das heißt, man wird komplett beziehungsfähig und ist in der Lage, mit seinem/seiner Partner(in) glücklich zu bleiben und zusammenzuziehen. Allerdings sollte man diese Entscheidung nicht zu lange hinauszögern, den man weiß ja nicht, wie lange der Partner die WG aushält...

PS: Die WG-Passage zum Thema Sex müßte leider von der Redaktion gekürzt werden.

Wohnen, Leben, Bauen, ... - Das WG-(Über)Leben