Finanzierung

Die Finanzierung ist beim Erwerb eigenen Wohnraums meist das größte Problem. Über die verschiedenen Möglichkeiten dazu und über Probleme, die schwule und lesbische Paare dabei haben könnten sprachen wir mit Jörg Hajer, der für Wüstenrot, einer der ältesten Bausparkassen Deutschlands, tätig ist.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten für Wohneigentum gibt es?

Bau- bzw. Kauffinanzierung ist ein umfangreiches Thema. Der Aufbau eines Finanzierungskonzepts hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, z.B. wieviel Eigenkapital kann der Kunde in die Finanzierung einbringen, wie sind seine Einkommensverhältnisse, welches Objekt soll finanziert werden, welche staatlichen Zuschüsse, wie Eigenheimzulage, Baukindergeld, Wohnungsbauprämie usw., kann er beanspruchen. Auch erste Schritte in Richtung Baufinanzierung, die der Kunde bereits getan hat, beispielsweise der Abschluß von Bausparverträgen oder einer Kapitallebensversicherung spielen hier eine Rolle. Erst nach sorgfältiger Bewertung dieser Daten kann ein passendes Finanzierungsmodell erstellt werden. Die häufigsten Formen, die auf dem Baufinanzierungsmarkt angeboten werden, sind dabei Hypotheken und Baukredite mit verschiedenen Zinsfestschreibungen und Tilgungsvarianten. Dabei erachte ich es als sehr wichtig, soweit es möglich ist, einem Zinsrisiko aus dem Wege zu gehen.

Welche Erfahrungen mit Banken und anderen Finanzdienstleistern hast Du bisher bei der Wohnraumfinanzierung speziell für schwule und lesbische Paare gemacht?

Mit einer Ausnahme nur positive. Ich bin seit rund sechs Jahren in diesem Geschäft tätig, in den ersten drei Jahren vermittelte ich Kunden für ein anderes Finanzdienstleistungsunternehmen. In diesem Zeitraum passierte es, daß eine Lebensversicherungsgesellschaft die Policierung einer Kapitallebensversicherung für zwei schwule Männer ablehnte, die als Absicherung und zugleich Tilgung eines Baudarlehns dienen sollte. Die Frage nach der Begründung der Ablehnung wurde mit der potentiellen AIDS-Gefahr beantwortet.

Jetzt habe ich in meinem Kundenstamm einige schwule Paare, für die ich in der letzten Zeit erfolgreich eine Finanzierung realisieren konnte. Bei den Entscheidungen stand die Frage nach dem Schwulsein nicht unbedingt im Vordergrund und im allgemeinen läßt sich sagen, daß entsprechende Anfragen von schwulen oder lesbischen Paaren immer häufiger positiv beantwortet werden. Die Toleranz der Unternehmen scheint größer zu werden und man erkennt diese Personen immer mehr als kaufkräftige Zielgruppe.

Worauf kommt es also bei einer Finanzierung an?

Ich behaupte: Am wenigsten auf die sexuelle Orientierung des Kunden und Kreditnehmers, vielmehr auf das Eigenkapital, je mehr desto besser, und auf die entsprechende Bonität, das heißt die Einkommenssituation, der Person oder der Personen, die Wohneigentum erwerben wollen. Auf jeden Fall sollte man sich von einem erfahrenen Berater bei der Finanzierungsplanung unterstützen lassen.

Vielen Dank!

Interview - Finanzierung