Luna

Welchen Zauber löst Luna auf dem neuen Album aus, was fasziniert Dich am Mond?

Also, es gibt nur ein Mondstück und auch das war nicht Inspiration genug, das Album Luna zu nennen. Ich habe nach einer Nachtgöttin gesucht, mit der ich mich auch identifizieren kann - und die Königin der Nacht ist Luna.

Wie beschreibst Du das neue Album?

Es ist Nachtmusik, gepaart mit Popballaden und hat Dancecharakter. Die Grooves erhalten Elemente aus Hip Hop und House, dennoch bleibt es Popmusik, die jedoch viel stärker tanzbar ist als auf meinen letzten drei Alben.

Du textest und komponierst die Songs selbst? Was ist zuerst da, der Text oder die Melodie?

Das ist ganz verschieden. Ich schreibe meine Songs zusammen mit Marianne Enzensberger. Beim "Lover" lag mir der witzige Text von Marianne vor. Ich vertone also die entsprechende Liedform. Ich weiß, in welchem Tempo das Stück läuft und suche mir aus den Drummaschinen etwas heraus, das im Timing liegt. Schließlich stelle ich mit Alexander Kraut, meinem langjährigen Begleiter, die Akkorde und Drums dazu. Wir erarbeiten ein Demo und eventuelle Arrangements.

Mit dem Demo geht es ins Studio ...

Ja, beim Komponieren mache ich mir nicht die Arbeit, die ganzen Sounds rauszusuchen, denn das dauert ja Tage, bis die richtig eingesetzt sind. Ich bin da sehr ungeduldig, möchte den Song schnell gebastelt haben, das Stück spielen und nicht an Feinheiten feilen. Deshalb suche ich mir Leute, die diese Einzelarbeiten übernehmen.

Die Du in Reinhold Heil und Stephan Fischer gefunden hast?

Genau! Reinhold Heil aus Santa Barbara produzierte ja bereits Nina Hagen, Kim Wilde, Nena oder kürzlich "Lola rennt". Stephan Fischer kommt aus der Berliner Dance-Szene, arbeitete für "Such a surge" und schrieb die Filmmusik zum neuen Detlef Buck Film. Unsere Teamwork passierte größtenteils übers Internet, das war sehr abenteuerlich, da noch nicht alle Daten transformiert werden konnten.

"Lover" könnte in den Staaten gut laufen, und Reinhold weiß natürlich genau, was dort angesagt ist. Wie denkst Du über eine internationale Karriere?

Ich habe nichts dagegen, strebe sie aber nicht an, denn das hieße für mich doppelte Arbeit. Ich glaube, ich würde das zur Zeit nicht auf die Rille kriegen. Du mußt dann auch dort Interviews geben, Promotionauftritte machen, du mußt präsent sein. Es genügt nicht zu veröffentlichen. Wenn es von allein passiert, okay, richtige Ambitionen hab ich jedoch nicht.

Schlager- und Schwulenkult

Marianne, wir leben im Schlager-Revival. Für Dich wäre es ein leichtes, ganz oben im Schlagerbrei mitzuschwimmen - oder doch eher ein Schritt zurück?

Ich mache Popmusik. "Marleen" oder "Ich bin wie Du" waren im traditionellen Sinne auch keine Schlager, wenn man ihn denn in Form einer Musikrichtung definiert, sondern galten damals schon als recht fortschrittlich. Das habe ich kontinuierlich fortgesetzt.

Bist Du aufgeschlossen für moderne musikalische Strömungen?

Ja, warum soll das an mir vorbeigehen? Ich finde das ganz wichtig, denn wenn ich da verschlossen bin, ist Tod angesagt. Sich nicht weiterzuentwickeln, nicht mehr zu widersprechen, bedeutet, nicht im Heute zu leben, sondern irgendwelchen Vergangenheiten nachzuhinken.

Stehst Du zu Deinen alten Songs?

Ich denke nicht, daß ich mich davon distanzieren muß, finde sie weder furchtbar noch peinlich. Es waren sehr schöne Songs dabei, ist aber vorbei. Es interessiert mich nicht, was gestern war.

"Er gehört zu mir" sprach Schwulen auf tiefster Seele, in einer Zeit, in der die heutige Akzeptanz noch nicht herrschte.

Schon bei "Fremder Mann" 1973 erfuhr ich, daß ich in Schwulenclubs gespielt und verehrt werde. Das Bekenntnis dazu war damals nicht so stark wie heute und vor allem tauchte diese Frage in den Medien gar nicht auf. Die haben das nicht gewußt und erst Ende der Achtziger gecheckt. Seitdem werde ich immer gefragt: "Ist Ihnen das unangenehm..." Das zeigt mir doch, wie wenig akzeptiert es in unserer Gesellschaft ist, daß Männer Männer lieben.

Es ist ein Kompliment, von Schwulen verehrt zu werden?

Das sehe ich auch so. Meine treusten Fans sind Schwulen, die haben einfach guten Geschmack. Für mich ist eine Beleidigung, wenn jemand sagt, mir wäre dies unangenehm. Das sind versteckte Diskriminierungen von einzelnen Journalisten, die damit nämlich nicht klarkommen. Auch fand ich diese Zwangsouting-Geschichten damals ganz schrecklich, von sogenannten Berufsschwulen, die nichts weiter machen, als "Schwulsein" thematisch zu behandeln. Von anderen Menschen zu verlangen, sich zu outen, halte ich für eine respektlose Anmaßung den anderen Menschen gegenüber, die sich in Berufsarten befinden, wo ihre Arbeit gefährdet ist und sie sich Diskriminierungen gefallen lassen müssen.

Hat Dich die Homo-Szene künstlerisch oder menschlich beeinflußt?

Die Szene nicht, einzelne Freunde. Eine Szene oder Masse kann und konnte mich nie beeinflussen. Für mich zählt, ob ich Menschen mag und spannend finde, ganz egal, welche Sexualität sie praktizieren.

Schwule identifizieren sich gut mit Deinen Texten ...

Marianne Rosenberg: Hm, sie verstehen die Texte, da muß ich nichts erklären. Dahinter steckt einfach die selbe Verehrung für Männer (lacht), das liegt auf der Hand.

Reizt es Dich, das Thema textlich zu erschließen, mal einen Song für Schwule zu schreiben?

Ich glaube, das würde nicht funktionieren. Auf meinem neuen Album habe ich jedoch einen Titel, der "Lola" heißt und von einem Mann erzählt, der sich als Frau fühlt und abends in Shows auftritt. Mein erstes Lied in dieser Richtung.

Welche Themen interessieren Dich sonst noch?

Ich singe über die Liebe. Das ist besser als Krieg und das Leben ist dunkel genug. Ich behandle die schönen und traurigen Seiten der Liebe.

Marianne

Die Tournee

Wer begleitet Dich auf Deiner Tournee.

Wir sind zu acht auf der Bühne, aber ein Team von gut zwanzig Leuten, die an der Show arbeiten, also mit Kostümbildner, Visagisten und Marianne Enzensberger.

Du wirst Luna, die Göttin der Nacht, darstellen?

Ja, sie wird einige Male visuell sichtbar sein. Die Kostüme illustrieren meine Songs. Ich nehme die Lieder ja als Rollen, wie eine Schauspielerin. Es macht mir mehr Spaß, als - wie früher - immer nur Ich zu sein. Dennoch bleibe ich natürlich ein Teil meiner Lieder.

Zukunft

Hast Du nicht Lust, diese schauspielerischen Ambitionen mal im Theater oder Film umzusetzen? Wie wäre es mit einem Musical?

Das kommt ganz auf den Stoff an. So etwas wie "Die Spinnenfrau" würde mich sehr reizen. Ich weiß zwar nicht, ob die Leute wissen, daß ich sowas gern machen würde, habe auch momentan keine Zeit, das zu verfolgen. Außerdem möchte ich nach meiner Tour gern Chansonabende in kleineren Theatern geben, begleitet nur vom Piano. Das würde bestimmt viel Spaß machen.

Die Arbeit auf der Bühne ist gewiß spannender als die im Studio?

Tausendmal. Niemand kann diesen Augenblick verstellen. Mir ist egal, was für Kritiken laufen, mein Gradmesser ist das Publikum, das für mich keine Masse Mensch ist, die es zu bezirzen gilt. Dieser unmittelbare Kontakt ist mir heilig, ich behandle ihn mit großem Respekt. Vom Publikum lasse ich mir jede Kritik sagen.

Marianne, hab lieben Dank, wir sehen uns am 10. November im Alten Schlachthof Dresden.

Das Interview führte Sirko Salka

Kartenverlosung

GEGENPOL verlost für das Marianne-Rosenberg-Konzert in Dresden am 10. November dreimal zwei Freikarten. Ruft am 05.11. um 19:00 Uhr an unter 0351 / 8033364. Die ersten drei Anrufer gewinnen.

Marianne Rosenberg Interview